19. Juli 2006
Sparkurs und Sondereffekt ermöglichen schon 2007 verfassungsgemäßen
Haushalt
Landesregierung halbiert Nettoneuverschuldung
"Der Haushalt 2007 ist das beste Beispiel für den Erfolg
unserer Haushaltspolitik: Wir haben die Nettoneuverschuldung seit
unserer Regierungsübernahme von unverantwortlichen 2,85 Milliarden
Euro der SPD-Regierung auf 1,45 Milliarden Euro halbiert. Wir können
wieder einen verfassungsgemäßen Haushalt vorlegen. Damit
sind wir unseren Planungen ein Jahr voraus. Wir halten Wort – wir
werden die Nettoneuverschuldung auch weiter um 350 Millionen Euro
pro Jahr reduzieren und ab 2012 ohne neue Kredite auskommen. Wir
haben keine Möglichkeiten für Wahlgeschenke. Aber wir setzen
Schwerpunkte für Wirtschaft und Arbeit, für Zukunftsprojekte,
für Kinder, Jugendliche und Familien und für Bildung." Dies
erklärte Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff
im Anschluss an die zweitägige Kabinettsklausur im Kloster Wennigsen.
"Oberstes Ziel dieser Landesregierung war und ist, weniger Schulden
zu machen. Der Haushalt 2007 ist das beste Beispiel dafür, dass
diese Landesregierung ihre Ziele auch erreicht", sagte Finanzminister
Hartmut Möllring. Dieser Erfolg konnte nur durch das konsequente
jährliche Reduzieren der Nettoneuverschuldung erreicht werden.
Die CDU/FDP geführte Landesregierung senkt die Neuverschuldung
2007 zum fünften Mal in Folge, zum vierten Mal um 350 Millionen
Euro. "Dafür ist eine strikte Haushaltsdisziplin notwendig,
für die ich den Ministerinnen und Ministern danke. Wir haben
den Gipfel noch längst nicht erreicht, sondern befinden uns
mitten in der Eiger Nordwand. Aber wir haben den ersten Abschnitt
erfolgreich zurückgelegt", sagte Wulff.
Einen großen Beitrag zur Sanierung des Haushalts leisten die
nachhaltig gesenkten Personalausgaben des Landes. Vor allem der mit
der Verwaltungsreform verbundene Stellenabbau bewirkt eine deutliche
Entlastung. Während im Jahr 2003 bei den Personalausgaben nur
knapp 17 Millionen Euro eingespart wurden, hat die CDU/FDP Landesregierung
das Sparvolumen für 2007 auf gut 250 Millionen Euro gesteigert.
Möllring: "Damit haben wir die Einsparungen im Personalbereich
15-fach erhöht – Tendenz steigend." Auch die Beamtinnen
und Beamte des Landes bringen große Opfer für die Haushaltskonsolidierung.
Durch die Streichung des Weihnachts- und Urlaubsgeldes sowie die
Kürzungen der Beihilfe werden jedes Jahr 490 Millionen Euro
gespart. "Nur so schaffen wir den Ausstieg aus der Schuldenspirale
der Vorgängerregierung. Ich weiß: diese Einschnitte sind
für alle Beteiligten hart. Aber ich bin mir sicher: wir haben
den richtigen Weg eingeschlagen", sagte Möllring.
Auch das Ranking der westdeutschen Flächenländer zeigt:
Niedersachsen ist bei der Haushaltskonsolidierung auf Erfolgskurs.
Leistete sich das Land im Jahr 2002 noch die dritthöchsten Ausgaben
pro Einwohner, erreichte Niedersachsen 2005 den drittniedrigsten
Wert. Damit hat das Land seine Ausgaben an seine finanziellen Möglichkeiten
angepasst. "Das sind wir unseren Kindern und Kindeskindern schuldig.
Schulden machen ist unsozial. Denn Schulden von heute sind Steuern
von morgen", sagte Finanzminister Möllring.
"Wir sind
froh, dass wir unser Etappenziel schon ein Jahr früher als geplant
erreicht haben: Erstmals übersteigen die Investitionen wieder
die Nettokreditaufnahme. Das ist einerseits auf die konsequente Verringerung
der Neuverschuldung zurückzuführen. Andererseits schafft
eine Kapitalumwandlung bei der Nord/LB einen Sondereffekt. 2008 kommen
wir ohne einen derartigen Effekt aus."
Wulff und Möllring: "Der Grundsatz der Nachhaltigkeit hat
für unsere Haushaltspolitik oberste Priorität. Darum setzen
wir unsere Mittel generationengerecht ein und setzten Schwerpunkte
für Wirtschaft und Arbeit, für Zukunftsprojekte, für
Kinder, Jugendliche und Familien und für Bildung."
1. Infrastruktur
a. Jade-Weser-Port / Küstenautobahn A 22
Für den Bau des Tiefwasserhafens Wilhelmshaven sind im Haushaltsplanentwurf
2007 insgesamt 51,6 Millionen Euro veranschlagt. Die Inbetriebnahme
soll planmäßig 2009/2010 erfolgen.
In direktem Zusammenhang mit diesem Großprojekt steht die Veranschlagung
von Planungskosten mit Barmitteln in Höhe von 5 Millionen Euro
in 2007 und einer Verpflichtungsermächtigung in der sachlich
gebotenen Höhe für die Realisierung des Baus der Küstenautobahn
A 22. Dieses Bauvorhaben soll die bessere Verknüpfung der norddeutschen
Seehäfen – hier insbesondere des Tiefwasserhafens Wilhelmshaven – sowie
den stark anwachsenden Güterverkehr zwischen Westeuropa und
dem skandinavischen Raum bewirken.
b. Norderweiterung des Seehafens Brake
Die Norderweiterung ermöglicht die Abfertigung größerer
Umschlagsmengen im Braker Hafen. Hierfür werden im Landeshaushalt
2007 8,3 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Für den
notwendigen Ausbau der anderen Landeshäfen sollen in der neuen
EU-Förderperiode von 2007 an soweit möglich Mittel aus
dem Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE)
genutzt werden.
c. Forschungsflughafen Braunschweig
Für die Forschungsinfrastruktur des Landes Niedersachsen ist
die Verlängerung der Startbahn des Forschungsflughafens Braunschweig
von großer Bedeutung. Hierdurch wird der Forschungsflugbetrieb
auch für künftige Generationen von Flugzeugen ermöglicht
und die Forschungskompetenz in Braunschweig ausgeweitet. Langfristig
kann damit die internationale Wettbewerbsfähigkeit des Forschungsflughafens
Braunschweig ausgeweitet werden.
Der Landeshaushalt wird sich mit 17,0 Mio. EUR an den Gesamtkosten
der Maßnahme beteiligen.
2. Technologie
a. Energieforschungszentrum Niedersachsen
In Goslar soll von 2007 an ein "Energieforschungszentrum Niedersachsen" errichtet
werden. Mit wissenschaftlicher Federführung der Technischen
Universität Clausthal und mit Beteiligung der Technischen Universität
Braunschweig, den Universitäten Hannover und Oldenburg sollen
Themenfelder der anwendungsbezogenen Grundlagenforschung wie etwa
der Energierohstoffe, der Energieerzeugung und -veredelung fächerübergreifend
bearbeitet werden und damit zur Entwicklung und Sichtbarmachung zukunftsorientierter
Technologien und Verfahren in Niedersachsen wesentlich beitragen.
Für das EFZN sind insgesamt 11,7 Millionen Euro an Investitionsausgaben
in den Jahren 2007 bis 2013 eingeplant.
b. Ideen-Expo / Wirtschaftsförderfonds
Möglichst schon in 2007 und danach alle zwei Jahre soll eine
Ideen-Expo unter dem Motto "Technik zum Anfassen" stattfinden.
Hier soll niedersächsischen Unternehmen, Hochschulen und Forschungseinrichtungen
ein Forum geboten werden, vor allem junge Menschen und Familien mit
einer Ausstellung und Veranstaltungen an Technikthemen heranzuführen.
Für die Ideen-Expo sind 1 Millionen Euro eingeplant.
Die Aufstockung der bisher vorgesehenen Mittel für den Wirtschaftsförderfonds
sollen für Innovationen genutzt werden. In diesem Zusammenhang
ist eine Innovationskampagne vorgesehen. Über Ausgestaltung
und Dotierung des in der Koalitionsvereinbarung vorgesehenen Zukunfts-
und Innovationsfonds wird bis Jahresende entschieden.
3. Kinder und Familie
- Verbesserung des Kinderbetreuungsangebots
In Ergänzung zum umfassenden Kindertagesstätten-Angebot in
Niedersachsen sollen die Betreuungsangebote für Kinder unter drei
Jahren nachhaltig verbessert werden. Tagesmüttermodelle und andere
individuelle Betreuungsformen sowie flexible Öffnungszeiten in
den Kindertagesstätten sollen die Vereinbarkeit von Familien und
Beruf erleichtern. Die Landesregierung unterstützt deshalb insbesondere
unterschiedliche Tagesmüttermodelle und stärkt die Qualifizierung
von Tagesmüttern. Zudem fördert die Landesregierung eine
bessere Verknüpfung von Kindertagesstätten und Grundschulen.
Für diese Maßnahmen werden im Haushalt und der Mipla 2010
jährlich 25 Millionen Euro eingestellt.
Die Landesregierung fördert damit gezielt Entwicklungen, die stärker
auf die Bedürfnisse von Müttern und Vätern eingehen.
Die Praxis zeigt einen erhöhten Bedarf an Tagespflege auch in
Räumen Dritter, um etwa ergänzende Betreuungszeiten zu den Öffnungszeiten
der Kindertagesstätten anbieten oder ein Angebot für die
unter dreijährigen vorhalten zu können. Weniger Reglementierung,
eine kreative Auslegung des Kinder- und Jugendhilfegesetzes und Unterstützung
für selbst organisierte Betreuung von Kindern durch geeignete
Tagesmütter wird in Ergänzung zum Elterngeld familienpolitisch
und arbeitsmarktpolitisch spürbare Vorteile bewirken.
4. Bildung
a. "2000 x 2500" - Neues Programm für zusätzliche
Ausbildungsplätze
Unter der Bezeichnung "2000 x 2500" plant das Land ein Programm
zur Förderung zusätzlicher Ausbildungsplätze. Kleine
und mittlere Betriebe, die zusätzlich Ausbildungsplätze für
Jugendliche anbieten, die im vorangegangenen Jahr keinen Ausbildungsplatz
erhalten haben oder ohne Schulabschluss sind, sollen mit einem einmaligen
Zuschuss von 2500 Euro gefördert werden. Insgesamt können
bis zu 2000 Plätze gefördert werden. Dafür stellt das
Land jährlich 5 Mio. Euro aus Landesmitteln sowie aus dem Europäischen
Sozialfonds zur Verfügung. Das Land bringt dieses Programm von
2007 an in die Fortsetzung des Niedersächsischen Ausbildungspakts
ein und trägt gemeinsam mit den Anstrengungen der Partner dazu
bei, allen ausbildungsfähigen und ausbildungswilligen Jugendlichen
ein Angebot zu machen.
b. Projektstart "Abschlussquote erhöhen, Berufsfähigkeit
steigern"
Die Landesregierung startet am 1. Februar 2007 das Projekt "Abschlussquote
erhöhen, Berufsfähigkeit steigern" in Kooperation mit
der Bundesagentur für Arbeit Regionaldirektion Niedersachsen-Bremen.
Das Projekt soll Schülerinnen und Schülern der Abschlussklassen
in Haupt- und Förderschulen bei der Berufsorientierung, Berufswahlvorbereitung
und Übergangsbegleitung unterstützen. Das Modellprojekt verfolgt
zwei Ziele:
1. Eine größere Zahl von Jugendlichen soll die allgemein
bildende Schule erfolgreich abschließen.
2. Einer größeren Zahl Jugendlicher soll der direkte Übergang
von der allgemein bildenden Schule in eine duale berufliche Ausbildung
gelingen.
500 Schülerinnen und Schüler der 8. und 9. Klassen der Haupt-
und Förderschulen sollen an 24 Standorten in dem 2-jährigen
Modellprojekt durch individuelle Qualifizierungs- und Praxismaßnahmen
bessere Zukunftschancen erhalten. Für das Projekt sind insgesamt
900.000 Euro eingestellt.
c. Hauptschulprofilierungsprogramm
Daneben soll das Hauptschulprofilierungsprogramm fortgeführt werden.
In 2007 soll eine nahezu flächendeckende Versorgung der Hauptschulen
des Landes mit sozialpädagogischen Fachkräften erreicht werden.
Hierfür sind 9,4 Millionen Euro veranschlagt.
d. Lehrerfortbildung
Die Mittel für die Lehrerfortbildung sollen um 500.000 € aufgestockt
werden. Ein Teil der Mittel soll dabei auch für die Fortbildung
von Eltern- und Schülervertretern im Schulvorstand der Eigenverantwortlichen
Schulen eingesetzt werden.
5. Öffentlicher Dienst
Die Niedersächsischen Beamtinnen und Beamten haben in der Vergangenheit
einen großen Anteil für die Sparbemühungen des Landes
geleistet. Sie werden in Anlehnung an den für die Landesangestellten
abgeschlossenen Tarifvertrag 2007 eine Einmalzahlung in Höhe von
860 Euro erhalten. In den Besoldungsgruppen A 2 bis A 8 erhöht
sich die bestehende Sonderzulage in Höhe von 420 Euro um 860 Euro
auf 1.280 Euro. Von 2008 an erhöht die Landesregierung die monatlichen
Bezüge um drei Prozent.
Zudem hat das Kabinett einen Nachtragshaushalt für das Jahr 2006
beschlossen. "Die laufenden Steuereinnahmen entwickeln sich inzwischen
so, dass wir von den in der Maisteuerschätzung dieses Jahres angenommenen
Steuermehreinnahmen für 2006 in Höhe von 248 Millionen Euro
ausgehen können", erläuterte Möllring.
Bereits mit dem Haushaltsgesetz 2006 wurde der Austausch des in der
Nord/LB befindlichen LTS- Vermögens beschlossen. Dieser war aufgrund
einer Rechtsänderung notwendig geworden. Für diesen Austausch
werden die Zins- und Tilgungsrückflüsse aus dem LTS- Fördervermögen
veräußert. Bisher war vorgesehen von diesem Veräußerungserlös
433 Millionen Euro in 2006 einzunehmen und 700 Millionen Euro in 2007.
Aufgrund der nun anzunehmenden Steuermehreinnahmen in 2006 werden von
den Erlösen 248 Millionen Euro in diesem Jahr nicht benötigt.
Die Mittel stehen damit für den Haushalt 2007 zur Verfügung.
Der Nachtragshaushalt in 2006 enthält also die Erhöhung der
Steuereinnahmen um 248 Millionen Euro auf 14,8 Milliarden Euro und
die Verminderung des Veräußerungserlöses um 248 Millionen
Euro auf 185 Millionen Euro.