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Mai 2009
Ostfriesischer Kurier vom 15. Mai 2009 GEW: Landesregierung lässt Schulen im Stich
STANDPUNKT Norder Kreisgewerkschaftsvorstand weist Kritik der Grundschule Großheide zurück
GROßHEIDE – Der Norder Kreisvorstand der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hat die von ihren Vorstandskollegen Ubbo Voss und Herbert Czekir vertretene Überzeugung, offene Ganztagsgrundschulen seien zurzeit noch Billigmodelle bekräftigt und hierbei Kritik der Grundschule Großheide zurückgewiesen. Dies solle die pädagogische Arbeit an diesen Schulen in keiner Weise schmälern.
„Als Lehrer und Lehrerinnen müssen wir mit den Umständen leben, als Gewerkschafter aber müssen wir über den Schulalltag hinausblicken und manchmal den Finger in die Wunde legen dürfen, ohne aufs Heftigste kritisiert zu werden“, äußerte der Vorsitzende Peter Nowak. Die GEW befürworte grundsätzlich die Umwandlung von Grundschulen in Ganztagsgrundschulen als notwendige pädagogische Weiterentwicklung. Es gelte jedoch zu überprüfen, unter welchen Bedingungen dies geschehe.
Hier lasse die Landesregierung die Schulen im Stich. Während vor einigen Jahren noch Ganztagsschulen genehmigt wurden, in denen auch der Nachmittagsunterricht vollständig mit Pädagogen abgedeckt ist, werden zurzeit nur so genannte „offene Ganztagsschulen“ genehmigt, die Teilnahme der Schüler ist freiwillig. Diese Art von Ganztagsschulen – zu denen auch Großheide gehört – erhält einen Zuschlag an Lehrerstunden, der sich nach GEW-Auffassung „eher bescheiden“ ausnimmt. Es gibt nur 0,1 Lehrerstunden pro Schüler und Tag. Da diese Stundenzuweisung bei Weitem nicht ausreiche, um die Schüler von 8 bis 16 Uhr angemessen zu beschulen, sei man auf den „Trick mit der Kapitalisierung“ von Lehrerstunden gekommen.
Das geht so: Die Schule verzichtet auf alle oder einen Teil der wenigen vom Land zusätzlich zugestandenen Lehrerstunden. Diese „teuren“ Lehrerstunden werden in einen Geldwert umgerechnet, über den die Schule dann verfügen kann. Dafür werden außerschulische Partner zu Niedriglöhnen eingestellt. „Sie sorgen für eine wundersame Vermehrung der Unterrichtsstunden“, stellt Nowak fest.
Eine Kinderpflegerin erhalte 10,71 Euro, eine Erzieherin 12,15 Euro, selbst ein hoch qualifizierter Sozialpädagoge erhalte nur 14,33 Euro brutto. „Uns sind Fälle bekannt, bei denen diese Sätze noch unterboten werden“, betont der Vorsitzende. Diese außerschulischen Partner werden nur befristet beschäftigt, erhalten weder bezahlten Urlaub noch eine Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, sind in keiner Weise abgesichert. Bei schuldhaftem Verhalten haften sie für Schäden.
Der GEW sei mangelnde Unterrichtsversorgung der Ganztagsschulen und die Honorierung außerschulischer Partner ein Ärgernis. „Wir nennen das „Billigmodell“, stellt Nowak fest. Außerdem beschleunige die „praktisch erzwungene Kapitalisierung von Lehrerstunden“ den Trend, schulpädagogische und sozialpädagogische Fachkräfte durch Dritte zu ersetzen. So drohe die Schule „entprofessionalisiert“ zu werden.
Die GEW fordert, dass in Ganztagsgrundschulen ausschließlich voll ausgebildete Lehrkräfte und sozialpädagogische Fachkräfte arbeiten sowie die Abschaffung der Kapitalisierung von Lehrerstunden. Stattdessen müsse jede Schule einen Etat erhalten, aus dem sie ergänzend außerschulische Experten „zu gerechten Löhnen“ einkaufen kann. Auch spricht sich die Gewerkschaft für eine Ganztagsschule mit einem schulspezifischen Konzept aus, wodurch Vormittags- und Nachmittagsangebot „eine strukturierte Einheit“ bilden.
Statt einer offenen (freiwilligen) Teilnahme müsse es eine verpflichtende Teilnahme aller Schüler am Nachmittagsangebot an mindestens drei Wochentagen geben. Derzeit sei mit mehr Geld für die Schulen aus Hannover zwar nicht zu rechnen, aber auf Dauer würden sich Eltern, Schüler und Lehrkräfte nicht mit „Notlösungen“ abfinden.
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